Deutliche Worte von Niederösterreichs Bauernbunddirektor zu einem...
10.09.2009
Unangebrachte Polemik
Unter Bezugnahme auf eine in Kanada erstellte Studie hat der Radiosender berichtet, dass für die Erzeugung einer Tasse Kaffee insgesamt über 100 Liter Wasser notwendig seien. Und weiter hieß es in der Nachricht, dass das meiste Wasser verbraucht werde, um Fleisch herzustellen. Beispielsweise benötige die Produktion von 1 kg Rindfleisch ca. 15.000 l Wasser. Unter Berufung auf die Studie empfahl der ORF, dass möglichst viele Menschen sich nur mehr vegetarisch ernähren sollten.
„In Österreich, wo wir Trinkwasser auch zum Autowaschen verwenden, dürfen solche Aussagen nicht unkommentiert stehen bleiben“, meint Penz und stellt fest: „Heimisches Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch kann auch von der Wasserbilanz her mit bestem Gewissen empfohlen und konsumiert werden.“ Österreich sei in der glücklichen Lage, dass es sich bei Fleisch, aber auch bei Obst und Gemüse selbst versorgen könne, ohne in irgendeiner Weise den Wasservorrat übergebührlich zu beanspruchen.
„Wenn der ORF meint, nur vegetarische Ernährung sei ein Beitrag zur Schonung der Wasserreserven, dann hat dies mit sachlicher Berichterstattung nichts mehr zu tun“, so Penz. Vielmehr offenbare diese Empfehlung nur die kritiklose Wiedergabe der Argumente von Lobbygruppen aus der Ecke des Vegetarismus oder auch des WWF.
Letzterer fahre seit Anfang August in Deutschland eine Kampagne, die den Nahrungsmittelkonsum in unseren Breiten mitverantwortlich mache für die Wasserknappheit in armen Ländern, berichtet der Bauernbunddirektor.
Denkanstoß ja, Polemik nein!
„Wir brauchen keine Polemik, die wieder einmal auf dem Rücken unserer bäuerlichen Produzenten ausgetragen wird“, betont Penz. Jedem müsse klar sein, dass es ohne Wasser keine Nahrung geben könne. Sinnvoll sei vielmehr eine differenzierte Anlayse, die auch Denkanstöße zum Verbraucherverhalten gebe. Die Ausbeutung der Wasserreserven durch Kaffee- oder Kautschukplantagen in Überseeregionen, das Leersaugen des Jordans durch Erdbeerfelder in Israel oder das Absinken der Grundwasserspiegel in türkischen und spanischen Intensivregionen für die Tomaten- oder Traubenproduktion und die Versteppung brasilianischer oder argentinischer Weideregionen für Rinder – das seien die tatsächlichen Problemfelder, die es zu bewältigen gebe und denen der öffentlich-rechtliche Rundfunk mehr Sendezeit widmen sollte, ist Penz überzeugt.
Zudem möchte der Bauernbunddirektor auch den Wasserverbrauch der Industrie in die Debatte eingeblendet wissen. „Denn kaum jemandem dürfte bewusst sein, dass nach dem Verbrauchskonzept der erwähnten kanadischen Studie die Produktion eines Pkws bis zu 300.000 l Wasser verschlingt oder dass die Produktion von 500 Blatt DIN-A4-Papier etwa 5.000 l Wasser benötigt. Diese Fakten dürfen bei der Debatte über den Wasserverbrauch der Landwirtschaft in Mitteleuropa nicht einfach ignoriert werden“, unterstreicht der NÖ Bauernbunddirektor.




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