Dir. Peter Musel gibt Einblick in den Stand der Dinge bei der...
09.09.2009
WIGOF: Gut aufgestellt
ÖFZ: Herr Direktor Musel – wie geht es der oberösterreichischen Fleischergenossenschaft in wirtschaftlich harten Zeiten?
Musel: Dass die Branche nicht so gut dasteht wie vor 20 Jahren, ist kein Geheimnis, und das schlägt natürlich auch auf die Struktur einer Genossenschaft durch. Es wäre unsinnig, wenn es uns besser ginge als unseren Mitgliedern. Eine unserer Kernaufgaben ist es, Gewinne zu erwirtschaften, die unseren Mitgliedern wieder zugutekommen. Diese Aufgabe erfüllen wir nach wie vor gewissenhaft und meiner Meinung nach auch sehr gut.
ÖFZ: Beschreiben Sie uns Ihr Selbstverständnis als Geschäftsführer der Genossenschaft.
Musel: Wir sind, im Gegensatz zu privatwirtschaftlich strukturierten Unternehmen, nicht der Maximierung der Profite verpflichtet. Die Summe unserer Agenden ist es, unseren Mitgliedern in möglichst vielen Bereichen bessere Konditionen zu verschaffen. Als Beispiel möchte ich etwa die Entsorgung von Risikomaterial nennen. Hier haben wir im Zeitraum 2002/2003 regulierend in den Markt eingegriffen. Hätten wir das damals, übrigens in Abstimmung mit den Funktionären und Mitgliedern, nicht getan, müssten wir heute ganz andere, nämlich höhere Preise für die Entsorgung berappen.
ÖFZ: Die Aufgabe der WIGOF erschöpft sich aber sicher nicht nur in der Hilfestellung bei der Entsorgung.
Musel: Wir leben von einer Fülle an Aufgaben, etwa der Belieferung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Die Betriebe werden ein Mal pro Woche angefahren, beliefert und beraten. Im Gegensatz zu anderen Lieferanten haben wir keinen Mindestumsatz, damit wir einen Kunden anfahren. Da unser Hauptkunde der kleine gewerbliche Fleischer ist, liefern wir auch Kleinstmengen, z. B. bei Därmen. Wir werden auch in Zukunft versuchen, so lange wie möglich ohne solche Grenzen zu wirtschaften. Natürlich haben wir das „Problem“, das wir als Generalist mit einem ganzen „Bauchladen“, beginnend mit dem Handel von Häuten, Fellen, Knochen, Gütern des täglichen Bedarfs, Gewürzen, Bekleidung, Verpackungsmaterial und Handelswaren und vielem mehr, unterwegs sind. Es ist also klar, dass in diesem Markt viele Spezialisten unterwegs sind, die auch um Markt- und Umsatzanteile kämpfen.
ÖFZ: Vor Kurzem fand die WIGOF-Generalversammlung statt …
Musel: … bei der wir uns vor allem mit den aktuellen Zahlen beschäftigt haben. Wichtigstes Ergebnis: Wir sind auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfolgreich unterwegs und verfügen über ein gut dotiertes Grundkapital. Vieles, was draußen sehr gerne diskutiert und hinterfragt wird, basiert auf Änderungen im Genossenschafts-, Steuer- und Bilanzrecht, wo manches falsch interpretiert wird. Fakt ist, dass die WIGOF auf wirtschaftlich soliden Beinen steht und alle anderslautenden Gerüchte jeder Grundlage entbehren.
ÖFZ: Anderes Thema: Wie laufen die Dinge bei der Tochtergesellschaft Zeppelzauer?
Musel: Wir wurden oft gefragt, warum wir keine eigene Fläche im Wiener Zerlegezentrum f-eins angemietet haben. Diese Diskussion haben wir intern sehr intensiv geführt und uns letzendlich dagegen entschieden. Es wäre von der Kostenseite nicht vertretbar gewesen. Die Kooperation, die wir mit der Firma Kollecker eingegangen sind, funktioniert aber ausgezeichnet.
ÖFZ: Ihre Pläne für die Zukunft?
Musel: Die gesamte Branche wird meiner Ansicht nach gestärkt aus der Krise hervorgehen. Gerade die Diskussion um Imitate hilft eigentlich dem Gewerbe und ich mache mir keine Sorgen darum, dass wir auch in den nächsten Jahren unserer Aufgabe erfolgreich nachkommen werden.
ÖFZ: Danke für das Gespräch!




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