Gerüchte um Exportstopps in Russland und der Ukraine nähren...
06.02.2012
Väterchen Frost heizt weltweit den Weizennotierungen ein
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Bis am Mittwoch stieg etwa die Fieberkurve des europäischen Weizenfutures an der Euronext in Paris für den Frontmonat auf ein Sieben-Monate-Hoch von EUR 216,75 pro t an, wobei sie kurzfristig die Marke von EUR 220,- durchschlug, ehe am Donnerstag eine leichte Abkühlung eintrat. Kurzfristige Gewinne aus den letzten Tagen wurden mitgenommen und es war von einer Gerüchteküche und einem überkauften Markt die Rede.
In Österreich zogen sich die Marktteilnehmer vorerst in ihre Schneckenhäuser zurück und warten ab, ob die Kälte tatsächlich die fundamentalen Marktdaten derart verändert, um solche extremen Preissprünge auch am physischen Markt zu rechtfertigen.
Gerüchte um Exportstopps in Russland und der Ukraine nähren Unsicherheit
In Moskau verzögert sich eine von Vizepremier Viktor Zubkov für heute, Freitag, angekündigte Erklärung, wie viel Getreide Russland 2011/12 bis zum Anziehen einer Exportbremse noch auf den Weltmarkt ausführen könne. Dies verunsicherte den Markt neuerlich. Exportzölle auf Getreide könnten ab Anfang April eingeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt sollte das von der Regierung mit höchstens 25 Mio. t bezifferte Ausfuhrpotenzial 2011/12 ausgeschöpft sein, meint der Präsident der russischen Getreideunion, Arkadij Slotschewskij. Die Regierung hatte schon im vergangenen Herbst für diesen Fall die Einhebung flexibler Exportzölle diskutiert. Ihre Höhe sollte von Getreidepreisen am Binnenmarkt abhängen, erinnerte Slotschewskij am Dienstag vor Journalisten in Moskau. Seit Anfang des Wirtschaftsjahres sind aus Russland nach seinen Angaben schon mehr als 20 Mio. t Getreide exportiert worden.
Russland fuhr 2011 mit rund 93,9 Mio. t die drittgrößte Getreideernte der letzten zehn Jahre ein. Wie aus den vom Föderalen Statistischen Dienst in Moskau in der vergangenen Woche veröffentlichten vorläufigen Angaben hervorgeht, vergrößerte sich die Getreideproduktion damit gegenüber dem Misserntejahr 2010 um 54,1%. Allerdings schätzen der Internationale Getreiderat IGC und das US-Landwirtschaftsministerium die Erntezahlen geringer ein. Laut den Moskauer Statistikern stiegen unter anderem die Erzeugung von Weizen um 35,5% auf etwa 56,2 Mio. t sowie die von Gerste um 102,8% auf 16,9 Mio. t, von Roggen um 81,5% auf 3,0 Mio. t und die von Körnermais um 116,6% auf 6,7 Mio. t. Außerdem haben die russischen Bauern absolute Rekordmengen an Sonnenblumen, Zuckerrüben, Kartoffeln und Gemüse eingebracht. Im Jahresvergleich legte die Erzeugung von Sonnenblumen um 80,1% auf rund 9,6 Mio. t, von Zuckerrüben um 107,9% auf 46,3 Mio. t, von Kartoffeln um 54,4% auf 32,6 Mio. t und von Gemüse u m 21,1% auf insgesamt 14,7 Mio. t zu.
Auch in der Ukraine kursieren Gerüchte um Exportbeschränkungen. Harsche Fröste setzen dem Wintergetreide zu. Für die kommende Woche sind Nachttemperaturen von lokal bis zu minus 35 Grad Celsius angesagt. In einigen Regionen ist vor dem Frosteinbruch kaum Schnee gefallen. Dort, wo eine dünne Schneedecke liegt, wird sie häufig vom kräftigen Ostwind verweht. Der aktuelle Frost nach dem trockenen Herbst wird die Getreideernte 2012 höchstwahrscheinlich schmälern. Deswegen mehren sich auch in der Ukraine die Gerüchte, dass die Regierung in Kiew wieder Exportbegrenzungen einführen könnte. Die Sanktionen der EU gegen den Iran behindern zurzeit weiters auch die Maisexporte Kiews.
Gute Exportkonjunktur für USA - EU 2011/12 Nettoimporteur bei Mais
Recht gut lief es dagegen für die Exporte der USA in er abgelaufenen Berichtswoche: Sowohl 554.000 t Weizen als auch 974.900 t Mais übertrafen die Erwartungen des Marktes. Schwächer lief es für die Ausfuhren aus der EU mit 178.000 t Weizen. Weiters vergab die EU-Kommission Importlizenzen für 93.000 t Mais, womit die Union 2011/12 einen negativen Außenhandelssaldo von rund 1 Mio. t hat.
Österreich: Marktteilnehmer ziehen sich zurück
Während der extreme Frost in Europa an den Terminbörsen vor allem die Weizenkurse anheizt, ziehen sich die Marktteilnehmer in Österreich vorerst in ihre Schneckenhäuser zurück und warten ab, ob die Kälte tatsächlich die fundamentalen Marktdaten derart verändert, um solche extremen Preissprünge auch am physischen Markt zu rechtfertigen. Wie es heißt, gelte die Ertragslage der Mühlen schon zu den zuvor zu verzeichnen gewesenen Preissteigerungen beim Rohstoff als angespannt. Pflanzenbauer berichten, dass der extreme Frost, der vielerorts auf nicht durch Schnee geschützte Böden trifft, in Österreich vor allem an Standorten wie dem Waldviertel, der Roggen-Kornkammer des Landes, Auswinterungsschäden anrichten könnte.
Entsprechend der Zurückhaltung wurde in der abgelaufenen Woche in Österreich kein Weichweizen gehandelt und kamen am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse keine Notierungen zustande. Darum gab im Durchschnitt seines Preisbandes einen Tick auf EUR 286,50 pro t nach, wobei aber die untere Notierung anzog und sich das Preisband verengte. Die Vermarkter zeigen sich jedenfalls weiterhin zufrieden mit der Nachfrage - wegen der guten Qualität der Ware auch aus dem Ausland. Eine Vorstellung, wie der heimische Kassamarkt auf die jüngsten Preissprünge der internationalen Terminmärkte reagieren könnte, lieferte Mahlroggen, dessen Notierung im Wochenabstand um EUR 17,- pro t oder 7,5% auf EUR 242,50 pro t in die Höhe schnellte. Hier spielt sicherlich aber auch die Angst um die kommende Ernte 2012 mit.
Einen satten Notierungsgewinn von EUR 12,50 pro t oder knapp 8% auf EUR 170,50 pro t verzeichnete auch Futtermais, wobei aber Marktteilnehmer anmerken, dies sei lediglich halbwegs eine Annäherung der in der Vorwoche als "unerklärbar " zustande gekommenen Notierung an die Realität.



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