Kaum ein Konsument macht sich Gedanken darüber, wie Schnitzel, Kotelett & Co in die Geschäfte kommen. Dass dafür Tiere sterben müssen, wird nur zu gerne aus dem Bewusstsein verbannt. Für die Betreiber des Klagenfurter Schlachthofes war das Grund genug, zum 100-jährigen Jubiläum die Tore weit zu öffnen und im Rahmen des groß aufgezogenen Fests Einblicke zu gewähren, umfassend Aufklärungsarbeit zu leisten und gut etablierte Vorurteile zu widerlegen. Rund 3.000 Festgäste nahmen dieses Angebot begeistert wahr und machten den Event zum in dieser Größenordnung nicht erwarteten Erfolg.
„Wir haben an diesem Tag die Bevölkerung zu uns eingeladen, damit sie sieht, dass wir auf sehr humane Weise und unter strenger Einhaltung der Tierschutzgesetze arbeiten. Wir sehen uns als Dienstleistungsbetrieb für Menschen", sagt Betreiber Gerhard Stürzenbecher. Aus diesem Grund bot der Schlachthof beim großen Fest Anfang Juli Führungen mit Veterinärmedizinern Mag. Helmut Karner und Mag. Ignaz Zitterer an. Die Feier selbst hatte Volksfestcharakter: Für die kleinsten Festgäste gab es ein eigenes Kinderprogramm inklusive Hüpfburg, Wettmelken, Kuhfellklettern und einem Quiz, die Erwachsenen wurden von Martin Tisal und Jazz-Gitti unterhalten.
Dass sich bei einem derartigen Jubiläum auch alles einstellt, was in Politik und Wirtschaft Rang und Namen hat, versteht sich von selbst. „Wenn einmal der komplette Klagenfurter Stadtsenat kommt, dann sagt das schon etwas über die Bedeutung eines Firmenjubiläums aus", ergänzt Johann Töfferl, Wirtschaftskoordinator des Schlachthofs, der mit Salzburgs Landesinnungsmeister Otto Filippi, Kärtntens Landesinnungsmeister Raimund Plautz und Fleischerverbands-Geschäftsführer Mag. Wolfgang Hartl auch prominente Vertreter aus der Fleischwirtschaft willkommen hieß.
Ebenfalls erfreulich für die Veranstalter war das überaus rege Medieninteresse: „Ob Printmedien, Radio oder Fernsehteam – von den Medien sind alle voll auf unser Angebot, sich umfassend zu informieren, eingestiegen." Doch nicht nur zur Jubiläumsfeier gaben sich die Journalisten die Klinke in die Hand, auch im Nachhinein wird starkes Interesse bekundet. Töfferl: „Indem wir ganz offen gezeigt haben, auf welchem Niveau hier gearbeitet wird und dass wir uns für unsere Tätigkeit – die Schlachtung und die Zerlegung von Tieren – nicht verstecken wollen und müssen, haben wir alle ins Boot geholt. Auch die sonst so kritischen Tierschützer."
Nachfolgeprojekt
Mit dem Fest alleine ist es aber nicht getan. Ende des Sommers wird ein eigenes Jubiläumsbuch über die Geschichte des Schlachthofes von Historiker Dieter Jandl, dem Journalisten Mario Wilplinger und Johann Töfferl veröffentlicht.
„Die ersten Fleischbänke lassen sich in Klagenfurt urkundlich bereits im Jahre 1374 nachweisen. In seiner heutigen Form wurde der Bau eines Schlachthofes in Stadtnähe am 1. März 1910 durch den Gemeinderat beschlossen – bereits ein Jahr später wurde der Betrieb aufgenommen. Aber eigentlich ist über die Geschichte des Schlachthofs und über seine Bedeutung für die Bevölkerung nur sehr wenig bekannt. Diese Lücke wollen wir mit dem Buchprojekt schließen", so Jandl, Töfferl und Wilplinger, die dafür in den Archiven umfangreiches Material zusammengetragen haben und auch zahlreiche Zeitzeugen zu Wort kommen lassen. Das Buch ist im Context Verlag unter Tel.: 0 42 12/20 24 vorzubestellen.


Vor Kurzem feierte man in Klagenfurt den 100. Geburtstag des Schlachthofs mit einem Fest, zu dem sich rund 3.000 Besucher einstellten
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Gute Entwicklung
Nachdem das Gebäude während des Krieges Bombenangriffen zum Opfer fiel und auch nach dem Krieg mehrere finanzielle Höhen und Tiefen durchlief, wurde der Schlachthof im Jahre 2002 an die Firma Stürzenbecher GmbH verpachtet. „Meine Familie ist seit vielen Generationen im Vieh- und Fleischhandel tätig. Wir haben derzeit rund 35 Mitarbeiter", sagt Stürzenbecher, der auf die Verarbeitung heimischen Fleisches setzt.
Für eine Vollauslastung kommen die Rinder und Schweine aber auch aus Slowenien und Bayern. Vermarktet wird dann durch die Firma Marcher aus Villach. In der Woche werden beim Schlachthof 3.000 Schweine und bis zu 500 Rinder verarbeitet. Vor allem Hygiene und Tierschutz werden großgeschrieben. „Wir haben eine der modernsten Betäubungsanlage installiert, denn es ist für uns selbstverständlich, dass wir durch eine stressfreie Schlachtung die Fleischqualität erhalten, ergänzt Töfferl.
Die Entwicklung des Schlachthofes nach der Übernahme der Geschäfte durch die Stürzenbecher GmbH kann sich sehen lassen: 2001 waren es noch 9.250 Rinder und 35.000 Schweine jährlich. Jetzt werden am Standort Klagenfurt 160.000 Schweine und 22.000 Rinder geschlachtet. Der Auslandsanteil (slowenische Rinder und teilweise bayerische Schweine) beträgt dabei rund 20 Prozent. Um die Vermarktung der in Klagenfurt geschlachteten Ware kümmert sich die Firma Marcher aus Villach, die Kunden aus aller Welt beliefert. Italien, Deutschland, Holland, Dänemark, Kroatien, auch Russland, Japan, Südkorea, China zählen zu den Abnehmern; Marcher exportiert mehr, als am Inlandsmarkt verkauft werden kann.
Schlachtpersonal dringend gesucht
Ein Zukunftsprojekt, dessen Umsetzung wohl längere Zeit in Anspruch nehmen wird, sind die Arbeitskräfte am Schlachthof: „In Österreich gibt es kaum Nachwuchs bei den Schlächtern, da es immer weniger Fleischer gibt, die noch selbst schlachten und Lehrlinge in der Schlachtung ausbilden. Deswegen wollen wir am Standort eine Lehrlingsakademie ins Leben rufen, wo wir selbst wieder Fachkräfte ausbilden möchten. Die Verhandlungen mit dem Land Kärnten laufen bereits", so Töfferl.
(Redaktion: Stefan Köstenbauer)