30.07.2010
Gralshüter der Qualität
Bäuerliche Schlachtstätten dürfte es so ungeführ 8.000 im Bundesgebiet geben. So viele finden sich schätzomativ (ich habe die 200 Seiten starke Aufstellung nicht nachgezählt) in der Liste der zugelassenen Betriebe und ebenso viele werden wohl in irgendeiner Form ihre Produkte direkt vermarkten. Auf diesem Weg erzielen bundesweit bereits 13% der Landwirte mehr als ein Fünftel ihres Einkommens. Top-Seller im Programm: Fleisch und Fleischwaren.
Diese Jubelmeldung garniert Oberösterreichs oberster Agrarier Landwirtschaftskammer-Präsident Hannes Herndl noch mit dem Hinweis, dass beste Qualität bei Lebensmitteln natürlich immer vom Bauern stammt – im O-Ton nachzulesen im Bericht auf Seite 8 der Printausgabe.
Dass ein Präsident der Landwirtschaftskammer damit seine helle Freude hat, ist selbstverständlich. Welcher andere Branchenvertreter hätte das nicht. Allerdings sollten diese Herrschaften aber endlich einmal dafür sorgen, dass ihre Schäfchen auch mit denselben Pflichten ausgestattet werden, wie ihre Kollegen aus dem Gewerbe! Denn es geht nicht an, dass die pauschalierte Landwirtschaft an Sozialversicherung und Steuerbehörde vorbeiarbeitet.
Und noch was sollten sich die obersten Agrarier in ihr Stammbuch schreiben: Das hier ist keine Neiddebatte! Es geht einzig und allein darum, dass alle Marktteilnehmer unter den gleichen Wettbewerbsbedinungen wirtschaften, sonst beginnt nämlich die von den Agrariern viel zitierte und oftmals bemühte „Wettbewerbsverzerrung" nicht vor der eigenen Haustüre, sondern schon im Wohnzimmer.
Noch was: Ich bin ganz schwer dafür, dass Landwirte von den Früchten ihrer Arbeit nicht nur existieren können, sondern gut leben sollen. Aber die Voraussetzungen dafür zu schaffen, ist der Landwirtschaftspolitik scheinbar unmöglich.




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