„Wenn es um die Wurst geht, können Sie immer auf mich zählen“, erklärte Landtagspräsidentin Barbara Stamm auf der Festveranstaltung der 28. „f“-Qualitätsprüfung.
Über 500 Gäste hatten sich in der Stadthalle Neusäß eingefunden, um für ihre ausgezeichneten Produkte geehrt zu werden. Darunter waren auch die Mitglieder des Bayerischen Landtags Prof. Georg Barfuß und Harald Güller sowie Annemarie Höcht, Mitglied des Bezirkstags und Josef Fendt, ehemaliger Geschäftsführer des Fleischerverbandes Bayern.
Hohe Beteiligung – hohe Qualität
256 Metzgereien und zwei Berufsschulen hatten an der verbandseigenen Prüfung mit 876 Proben teilgenommen. 854 Produkte wurden für gut befunden, 451 erreichten sogar die Höchstpunktzahl. Das Ergebnis liegt damit über dem Niveau der Vorjahre. Eine Besonderheit war die mikrobiologische Prüfung, die erstmals im Rahmen der f-Qualitätsprüfung stattfand. Der Verband bot damit ein erweitertes Leistungsspektrum, welches den Innungsmitgliedern zugute komme. Die Ergebnisse der Prüfung könnten innerhalb der betrieblichen Eigenkontrolle verwendet werden. Die Teilnahme fördere die Kundenbindung und diene als hervorragendes Werbe- und Marketinginstrument.
Das Metzgerhandwerk weise nicht ohne Stolz darauf hin, dass man als handwerkliches Unternehmen für seine Produkte einstehe. Da ein handwerklicher Betrieb sehr ortsverbunden agieren müsse und seinen Firmensitz nicht einfach verlegen könne, sei er darauf angewiesen, mit ehrlicher Qualität und Frische zu punkten. „Mit diesen Prüfungsergebnissen haben wir gezeigt, wo die Handwerkliche Meisterqualität wirklich zuhause ist und dass wir die Juweliere der Branche sind“, so Landesinnungsmeister Kleeblatt.
„Qualität ist das Merkmal, auf das das bayerische Fleischerhandwerk allergrößten Wert legt“, unterstrich Festrednerin Stamm. Die Präsidentin des bayerischen Landtages machte deutlich, dass man deshalb mit Recht von „der Metzgerqualität“ spreche. Kaum einem anderen Betrieb in der Lebensmittelbranche würde man so lange die Treue halten wie der eigenen Metzgerei. Wenn es ihre Zeit erlaube, gehe auch sie am Wochenende gern zum Metzger ihres Vertrauens mit dem roten „f“.
Wider die Produkt-Imitate
Dieses Vertrauen der Kunden müsse Tag für Tag neu erworben und bestätigt werden. Die Vergangenheit habe gezeigt, wie schnell negative Einzelfälle zu schlimmen Folgen für eine ganze Branche führen könnten. „Die Verbraucher reagieren hier sehr sensibel, honorieren aber auch die handwerkliche Qualität und Leistungsfähigkeit vom Fachmann.“ Für viele sei es vielleicht „ein heilsamer Schock“ gewesen, als vor einiger Zeit bekannt geworden sei, was auf so mancher Tiefkühlpizza zu finden ist –nämlich Schinken-Imitate aus Stärke-Gel und so genannter Analog-Käse, der nicht oder nur zum Teil aus Milch hergestellt werde.
Hochwertiges Fleisch und Fleischerzeugnisse seien wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung. In der deutschen Ernährungswirtschaft habe Fleisch daher traditionell einen hohen Stellenwert. Trotzdem habe der Fleischverzehr in Deutschland insgesamt leicht abgenommen, was Barbara Stamm an mehreren Gründen fest machte:
Zum einen seien es wohl immer noch die Folgen echter oder auch vermeintlicher Lebensmittelskandale in früheren Jahren. Zweitens sieht sie einen Zusammenhang mit den Veränderungen der Berufstätigkeit: „Wer keine körperliche Schwerarbeit leistet, hat weniger Bedarf nach deftiger, fleischreicher Kost, auch wenn sie noch so gut schmeckt!“ Auch die wachsende Zahl von Single-Haushalten müsse man in ihren Augen einbeziehen, denn für sich allein bereite man eben keinen ganzen Braten zu. Vor allem spiele aber die wirtschaftliche Lage eine wichtige Rolle: „Wenn das verfügbare Einkommen der Haushalte real sinkt und gleichzeitig andere Belastungen, wie die Energiepreise, steigen, dann muss man eben sparen, letztlich auch am Essen.“
Allerdings sei dies eine zweischneidige Angelegenheit, denn „Qualität kostet eben mit Recht ihren Preis“. Selbstverständlich komme man in Supermarktketten und Discount-Läden billiger als im Fachhandel. „Besonders Fleisch und Fleischerzeugnisse werden dort fast schon zu Dumpingpreisen verkauft. Aber wie steht es um die Qualität?“ Zwar gebe es auch in den Discountern eine Bewegung hin zu regionalen Produkten, „aber was beim Discounter nun erst einmal testweise eingeführt wird, ist beim Lebensmittel-Fachhandel schon längst gang und gäbe“. Stamm: „Jeder vernünftige Kunde wird einsehen, dass hochwertige, frische und regionale Produkte mit genauer Herkunftsangabe nicht zum Schnäppchenpreis hergestellt und verkauft werden können, sondern ihren Preis haben.“
Da der Wettbewerb immer härter werde, meinte die Landtagspräsidentin: „Sie müssen mit den Pfunden wuchern, die Ihre Stärken ausmachen und wo Sie unschlagbar sind!“ Beispiele wären die handwerkliche Qualität, die Angebotsvielfalt sowie die regionalen Spezialitäten. Ein ganz wesentlicher Punkt sei der regionale Bezug vieler alteingesessener Fleischereien. Besonders auf dem Land sei die örtliche Metzgerei noch ein Fixpunkt wie die Kirche und das Wirtshaus.
Blicke man jedoch auf die Entwicklung der bayerischen Fleischereibetriebe, müsse man rein zahlenmäßig einen kontinuierlichen Rückgang feststellen. Ende 1999 habe es noch fast 6300 Metzgereien im Freistaat gegeben, während es heute nur noch knapp 4800 sind. Die Ursachen stehen für Stamm fest: „Es fehlen Nachfolger und das auch aufgrund der unklaren Erbschaftssteuer.“ Außerdem gebe es oft wettbewerbsbedingte Faktoren oder Probleme am Standort sowie bürokratische Auflagen. „Seit 1976 reden wir in der Landespolitik über Entbürokratisierung: Die Botschaft hör ich wohl - allein mir fehlt der Glaube“, merkte Stamm süffisant an.
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Nachwuchs gesucht
Kritisch äußerte sich Barbara Stamm zum Thema Nachwuchs, denn 2009 habe es mehr offene Lehrstellen als Bewerber gegeben. Hauptgrund für sie ist, dass der Beruf allgemein als körperlich anstrengend gilt. Offenbar würden andere Berufe da attraktiver erscheinen. „Dabei sind die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, beispielsweise am Bildungszentrum des Fleischerhandwerks in Augsburg, sehr gut und vielversprechend.“ Hier forderte Stamm den Verband auf, „mehr Werbung in eigener Sache“ zu machen. „Anscheinend herrschen bei den Jugendlichen zu Unrecht falsche Vorstellungen über diese Berufe und ihr Leitbild. Aufklärung tut Not!“
Landesinnungsmeister Georg Kleeblatt erklärte, dass die Suche nach jungen Fachkräften das Fleischerhandwerk vor eine große Aufgabe stelle. „Dabei können aber die Politik und die Gesellschaft nicht uns den Schwarzen Peter zuschieben, sondern sie müssen selbst ihre Hausaufgaben machen.“ Das Handwerk könne in der Berufsausbildung nicht die Lücken schließen, die in der Erziehung oder Schulausbildung entstanden seien. Auch müsse wieder der Wert einer Ausbildung im Fleischerhandwerk, allen voran in der Berufsberatung, herausgestellt werden und nicht, wie es vielfach geschehe, davon abgeraten werden.
Kritik an Aigner
In seiner Rede machte der Landesinnungsmeister deutlich, dass Fleisch ein fester Bestandteil einer ausgewogenen und gesunden Ernährung ist. Er sprach die Aussage der Bundesministerin Ilse Aigner an, dass Fleischesser dem Klima schaden und deshalb der Konsum eingeschränkt werden müsse. „Abgesehen davon, dass Fleisch in der Klimadiskussion keine nennenswerte Rolle spielt, bleibt das Entscheidende unerwähnt“, ärgerte sich Kleeblatt. Die Ökobilanz eines Produktes sei mitentscheidend, wenn man etwas für den Klimaschutz tun wolle und da brauche sich das Metzgerhandwerk nicht verstecken. „Mit der wohnortnahen Versorgung der Kunden mit Fleisch aus der Region, ohne lange Transportwege zum Metzger und zur Verkaufsstelle, steht die Metzgerei sicherlich auf dem ersten Platz beim umweltschonenden Wirtschaften.“
Wenn man in die Klimadiskussion einsteige, dann dürften auch die Ladenöffnungszeiten nicht unerwähnt bleiben. „Ein verlängerter Ladenschluss, wie er schon wieder gefordert wird, bedeutet auch mehr Energieverbrauch durch Strom, Heizung und Kühlung.“ Georg Kleeblatt betonte, dass man einer Ausweitung des Ladenschlusses eine klare Absage erteile und, wie 2006, entschieden gegen entsprechende Bestrebungen vorgehen werde. Barbara Stamm sprach den Metzgern ihre Sympathie in dieser Sache aus: „Beim Ladenschluss bin ich Ihrer Meinung. Die Leute haben nicht mehr Geld, um mehr einzukaufen“, sagte sie unter anhaltendem Applaus.
Grenzen sind erreicht
„Wie viele Belastungen sollen unsere zumeist familiengeführten handwerklichen Unternehmen noch tragen“, fragte der Landesinnungsmeister. Immer mehr Gebühren und Abgaben über die Belastungsgrenze würden den Metzgern zu schaffen machen. Politik für das Handwerk sehe anders aus, meinte Kleeblatt. Unverständlich sei, dass gebetsmühlenartig die Senkung der Lohnnebenkosten gefordert werde, dann aber die Insolvenzumlage seit dem 1. Januar 2010 um das Vierfache erhöht wurde. „Dieses Insolvenzrecht gehört überarbeitet“, forderte er unter dem Beifall der Metzger.
Auch die Fleischhygienegebühren würden die Betriebe enorm belasten, da die handwerklichen Betriebe im Vergleich zu den großen Schlachtstätten pro Tier ein Vielfaches zahlen müssten. „Solche unterschiedlichen Gebührenhöhen sind sachlich nicht gerechtfertigt und verstoßen gegen europäisches Recht. Europarechtskonforme Abgabenregelungen sind daher längst überfällig. Stamm machte deutlich, dass diese Gebühren vor kurzem Thema einer Schriftlichen Anfrage im Landtag gewesen seien. Die Landratsämter müssten einerseits kostendeckende Gebühren erheben, hätten jedoch bei der konkreten Ausgestaltung und Staffelung der Gebühren relativ große Spielräume. „Deshalb kann es zu erheblichen regionalen Unterschieden kommen, die Sie mit Recht als Wettbewerbsnachteil empfinden.“ Sie schloss sich Kleeblatts Appell an, die Landkreise aufzurufen, alles zu vermeiden, was zu Wettbewerbsverzerrungen führen könnte.
Ein weiteres Thema, das das Fleischerhandwerk bewege, sei die Reform der gesetzlichen Unfallversicherung, so Kleeblatt. Sie sieht eine Reduzierung der Genossenschaften auf neun vor. Die Folge wäre unter Umständen, dass die Fleischerei-Berufsgenossenschaft (FBG) ihre Selbstständigkeit verlieren würde. Kleeblatt unterstrich: „Der Fleischerverband Bayern setzt sich vehement für die weitere Selbstständigkeit der FBG ein. Sie ist die effektivste und zugleich kostengünstigste Berufsgenossenschaft.“ Die Fusion mit einer anderen BG wäre „weniger Leistung für mehr Geld“. Dies könne nicht im Interesse des Staates, der Politik oder der Wirtschaftsförderung liegen.
Unterstützung dafür erhielt er von Landtagspräsidentin Stamm: „Aus dem Bauch heraus muss ich sagen: Größere Einheiten schaffen nicht mehr Transparenz und werden vom Verbraucher nicht gewollt.“ Die Kunden würden sich eher für regionale Lösungen entscheiden. Hier gelte der Spruch „Global denken, aber lokal handeln!“
