Marktübersicht 2009 und die Prognose des Jahres 2010
29.01.2010
Rindermarkt im Wandel
Der Import lebender Schlachtrinder nahm gegenüber 2007 um 43,8 Prozent auf rund 60.000 Stück zu. Die Importe von Rindfleisch und Verarbeitungsprodukten stiegen um 28 Prozent auf umgerechnet rund 78.000 Stück. Die Einfuhren von Zucht und Nutztieren erhöhten sich um 64,5 % auf rund 35.000 Stück.
Im Export war bei den lebenden Schlachtrindern auch eine Zunahme zu verzeichnen, und zwar um 25,9 % auf rund 6.500 Stück. Die Ausfuhren von Rindfleisch und Verarbeitungsprodukten stiegen um 14,1 % auf rund 299.000 Stück. Die Exporte von Zucht und Nutzrindern erhöhten sich um 3,4 % auf rund 68.000 Stück. Insgesamt importierte Österreich 2008 umgerechnet rund 173.000 Stück und exportierte rund 374.000 Stück. Saldiert ergab dies einen Exportüberschuss von rund 201.000 Rindern, rund 8.500 Stück weniger als 2007.
Außenhandel
Im ersten Halbjahr 2009 stieg der Import lebender Schlachtrinder im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 gemäß vorläufiger Außenhandelszahlen um 26,4 % auf rund 41.000 Stück, jener von Rindfleisch und Verarbeitungsprodukten erhöhte sich um 25,8 % auf rund 40.000 Stück. Die Einfuhren von Zucht- und Nutztieren vermehrten sich um 13,6 % auf rund 16.000 Stück.
Die Exporte lebender Schlachtrinder stiegen um 4 % auf rund 3.400 Stück. Die Ausfuhren von Rindfleisch und Verarbeitungsprodukten erhöhten sich um 7,8 % auf rund 157.000 Stück. Die Zucht¬und Nutzrinderexporte sanken um 16,2 % auf rund 28.000 Stück.
Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2009 gemäß vorläufiger Außenhandelszahlen rund 97.000 Rinder ein und rund 188.000 ausgeführt. Das ergab einen Exportüberhang von rund 91.500 Rindern.
Bruttoeigenerzeugung
2008 betrug die Bruttoeigenerzeugung (BEE) von Großrindern 590.000 Stück und lag damit um 1,2 Prozent unter jener von 2007. Für das erste Halbjahr 2009 ergibt sich laut vorläufiger Außenhandelszahlen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2008 ein Absinken der BEE, und zwar um 6,6 % auf rund 268.000 Stück.
Erzeugerpreise
Die Schlachtstierpreise stiegen 2008 um 7 %, jene für Kühe um 8,3 % und für Schlachtkalbinnen um 6,9 %. Die Erzeugerpreise für trächtige Zucht und Nutzkalbinnen nahmen zwischen 8,3 und 9,2 Prozent zu. Im ersten Halbjahr 2009 gingen die Preise auf der Erzeugerseite großteils zurück. Die Schlachtstierpreise erhöhten sich um 0,8 %, Schlachtkühe sanken um 7,8 % und Schlachtkalbinnen um 2,2 %. Die Erzeugerpreise für trächtige Nutzkalbinnen und jene für trächtige Zuchtkalbinnen verringerten sich um 16,9 % bzw. 10,6%.
Verbraucherpreise
Der Verbraucherpreis für Rindfleisch, der sich aus den Verbraucherpreisen der Fleischsorten Beiried, Rindschnitzel, Rindsuppenfleisch und Lungenbraten mit den Gewichtungen des jeweils gültigen Verbraucherpreisindexes (von 1997 bis 2000 gemäß VP196, von 2001 bis 2005 gemäß VPI2000, ab 2006 gemäß VP12005) errechnet, ist 2008 im Jahresdurchschnitt um 6,6 % gestiegen. Im ersten Halbjahr 2009 erhöhte sich der errechnete Verbraucherpreis für Rindfleisch um 7,9 % im Jahresabstand.
Kälber
2008 gingen die Kälberschlachtungen um 6,2 % auf rund 81.000 Stück zurück. Auch im ersten Halbjahr 2009 sanken die Kälberschlachtungen weiter, und zwar um 3,7 %.
Der Import von Schlachtkälbern stieg 2008 um 56,3 % auf rund 9.200 Stück, der Import von Kalbfleisch erhöhte sich um 15,5 % auf umgerechnet rund 47.000 Stück. Die Einfuhren von Zucht und Nutzkälbern stiegen auf rund 900 Stück. Die Ausfuhren von Schlacht-, Zucht- und Nutzkälbern verringerten sich 2008 um 3,7 % auf rund 53.000 Stück.
Im ersten Halbjahr 2009 sank gemäß vorläufiger Außenhandelszahlen der Import von Schlachtkälbern um 6,6 %, jener von Kalbfleisch stieg um 10,8 %. Die Einfuhren von Zucht und Nutzkälbern fielen auf rund 360 Stück. Die Exporte von Schlacht, Zucht und Nutzkälbern verringerten sich um 15,3 % auf rund 24.000 Stück.
Bruttoeigenerzeugung
Für 2008 ergab sich eine Bruttoeigenerzeugung von rund 123.700 Kälbern. Das war ein Minus von 8,1 % gegenÂüber 2007. Im ersten Halbjahr 2009 beträgt die vorläufige BEE rund 59.800 Stück. Das entspricht einem Rückgang um 8,4 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2008.
Von 2006 auf 2007 war der Deckungsbeitrag im Jahresdurchschnitt von 327 Euro je Maststier auf 96 Euro gesunken (70,6 %). Ab 2008 kommt das neu ausgearbeitete Standard-Deckungsbeitragsschema zur Anwendung, weswegen die DB-Werte von 2008 mit den Jahren davor nicht vergleichbar sind.
2008 stieg der Deckungsbeitrag im Jahresdurchschnitt auf 266 Euro. Bis zum August 2009 beträgt er nun durchschnittlich 273 Euro und liegt damit etwas höher als im August 2008.
Rinderzählung
Der Rinderbestand inklusive der Anzahl der Mutter und Ammenkühe wurde mit der von der EU-Kommission genehmigten und von der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft ausgearbeiteten Methode unter ausschließlicher Verwendung der AMA Rinderdatenbank ermittelt. Der Gesamtrinderbestand stieg zum Stichtag 1. Juni 2009 im Jahresabstand um 1,1 % auf 2,01 Mio. Stück. Im Jahresabstand erhöhte sich in allen Altersklassen die Anzahl der Rinder. Im Folgenden die Entwicklungen der einzelnen Kategorien:
Die Anzahl der Rinder unter 1 Jahr erhöhte sich um 1,6 % auf rund 630.000 Stück, wobei die Schlachtkälber um 21,5 % zunahmen und die Zucht /Nutzkälber um 6,4 % (männliche) bzw. 0,3 % (weibliche) abnahmen.
Die Anzahl der Rinder 1 bis unter 2 Jahren stieg um 1,6 % auf rund 44.000 Stück. Die Ochsen und Stiere nahmen um 0,4 % zu, die Schlachtkalbinnen stiegen um 19,3 %, die Zucht- und Nutzkalbinnen verringerten sich um 3,1 %. In Summe erhöhte sich die Zahl der Kalbinnen um 2,3 %.
Die Gruppe der über 2-jährigen vermehrte sich um 0,6 % auf rund 939.000 Rinder. Die männlichen Rinder nahmen um 7,5 % zu. Die Anzahl der Kalbinnen steigerte sich um 1,6 %, wobei die Schlachtkalbinnen um 19,1 % zu und die Zucht und Nutzkalbinnenum 0,8 % abnahmen. Die Anzahl der Kühe ist mit rund 800.000 Stück um 0,3 % gestiegen. Die Milchkühe vermehrten sich um 1 % auf rund 533.000 Stück und die Mutter und Ammenkühe gingen um 1,3 % auf rund 267.000 Stück zurück .
Am Stichtag 1. Juni 2009 wies die AMA Rinderdatenbank 74.285 Rinderhalter aus, zum 1. Juni 2008 waren es 76.214. Das entspricht einem Rückgang um 2,5 % innerhalb eines Jahres.
Prognosen
Ein Vergleich der prognostizierten Bruttoeigenerzeugungen an Rindern mit den tatsächlich eingetretenen Produktionsumfängen zeigt Über- und Unterschätzungen, doch bewegen sich die Abweichungen in einem moderaten Rahmen.
2003 wurden fast alle Kategorien leicht unterschätzt, für das Jahr 2004 wurde die Produktion leicht überschätzt.
2005 konnte die Gesamtproduktion mit nur 1 % Abweichung fast punktgenau prognostiziert werden. Vor allem die Produktion an Großrindern konnte beinahe exakt prognostiziert werden, dafür wurde die Kälberproduktion um 5,9 % überschätzt.
Für 2006 wurde die Gesamtproduktion um marginale 0,2 % unterschätzt, wobei die Großrinderproduktion um 1,4 % zu pessimistisch und die Kälberproduktion um 4,4 % zu optimistisch prognostiziert wurde.
Für 2007 wichen die Prognosen zwischen nur 0,1 % und 1,8 % von der tatsächlichen Rinder und Kälberproduktion ab. Die größten Abweichungen zeigten die Prognosen für Kalbinnen und Kälber.
Die Prognosen für 2008 wichen um moderate 0,6 % bzw. +2,2 % ab, wobei im ersten Halbjahr vor allem die männlichen Rinder unterschätzt und im zweiten Halbjahr besonders die Kälber überschätzt wurden.
Ausgehend vom Rinderbestand zum Stichtag 1. Juni 2009 und unter Einbeziehung der Erfahrungswerte in das Prognosemodell kann für 2009, falls sich die derzeitig vorläufigen, zu niedrig erscheinenden BEE-Werte für das erste Halbjahr 2009 bewahrheiten mit einer leicht sinkenden Gesamt-BEE gerechnet werden. Für 2010 ist dann eine leicht steigende Gesamt-BEE zu erwarten. Konkret kann für das Kalenderjahr 2009 eine Großrinder BEE von rund 579.000 Stück erwartet werden (2 % gegenüber 2008). Die Kälber BEE wird bei rund 125.000 Stück liegen (0,8 % gegenüber 2008). Das ist in Summe eine BEE von rund 704.000 Stück ( 1,5 %).
Die Prognosen für das erste und zweite Halbjahr 2010 zeigen, dass die Produktion über jener von 2008 und 2009 liegen wird. Das heißt, die Großrinder BEE wird in etwa 591.000 Stück betragen (+2,1 % gegenüber 2009), und zwar 287.000 männliche Rinder, 182.000 Kühe und 122.000 Kalbinnen. Die Kälber BEE wird 2010 in etwa 137.000 Stück betragen. In Summe ist das eine BEE von 728.000 Stück Rindern und Kälbern (+3,5 % gegenüber 2009).
Quelle: Karlheinz Pistrich/Bundesanstalt für Agrarwissenschaft




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